Travel Diary I – Nicaragua

Travel Diary I – Nicaragua

Nach über 4 Wochen sitze ich das erste Mal wieder an meinem Schreibtisch und habe Zeit meine Reise nach Zentralamerika Revue passieren zu lassen. Es kommt mir beinahe wie eine Ewigkeit vor, als Caro und ich nach 29 Stunden Transfer und knapp 50 Stunden ohne Schlaf in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, angekommen sind. Völlig übermüdet und geflasht von den Eindrücken, gab es gleich den ersten Schock zu überwinden: mein Rucksack schien es nicht nach Managua geschafft zu haben. Mein absoluter Alptraum! Wie soll ich einen vierwöchigen Rucksack-Trip ohne Rucksack starten?!? Wie sich herausstellte, hatte jemand “nur” die Rucksäcke vertauscht und nach weiteren 1,5 Stunden, einem gefühlten Nervenzusammenbruch, etlichen Telefonaten und dem Spruch des Übeltäters (ein Münchner): “Ladies, in 5 Jahren habt ihr ne coole Story zu erzählen!”, war ich endlich wieder im Besitz meiner Habseligkeiten. Also konnte die Reise nun endlich doch starten.

Managua

Caro und ich hatten im Vorhinein bewusst keine fixe Route geplant, weil wir uns treiben lassen und immer spontan entscheiden wollten, was der nächste Stop sein sollte. Über Managua, die Hauptstadt von Nicaragua hatten wir im Vorhinein nichts Gutes gehört. Die meisten Leute meinten, wir sollten dort nur eine Nacht bleiben und die Stadt anschließend sofort verlassen. Naja, wir wollten uns unsere eigene Meinung bilden und blieben einen Tag länger, um uns die Stadt etwas anzusehen. Im Nachhinein betrachtet, hat es sich nicht ausgezahlt, allerdings bin ich froh, dass wir uns dennoch ein eigenes Bild von der Stadt gemacht haben. Managua ist schmutzig, laut und es gibt im Grunde genommen nichts zu sehen. Die Stadt liegt direkt am Managuasee, der völlig verschmutzt und verdreckt ist und im Stadtzentrum rund um den Plaza de la Revolución wurde nur gebaut. An diesem Nachmittag waren wir ungelogen die einzigen Touristen weit und breit und fühlten uns einfach auch nicht wirklich sicher. Managua wurde 1931 und 1972 von Erdbeben zerstört und vielfach nicht wieder aufgebaut, weshalb noch viele der Ruinen zu sehen sind. Von Managua ging es nach zwei Tagen also weiter in den Norden Nicaraguas nach León.

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León

Von León hatten wir auf verschiedenen Reiseblogs erfahren und das berühmte Vulcano Boarding steht immerhin an zweiter Stelle der CNN-Bucket List. Für uns war glasklar: das MÜSSEN wir erleben! Das Bigfoot-Hostel, in dem wir abgestiegen waren, organisiert das Vulcano Boarding am Vulkan Cerro Negro. Auf der Ladefläche eines Lasters wurden wir gut 40 Minuten ins Landesinnere gekarrt und mussten uns dabei immer wieder vor tiefhängenden Ästen schützen. Der Aufstieg dauerte rund 1 Stunde und je näher wir dem Gipfel kamen, desto mehr konnten wir die Hitze des aktiven Vulkans unter unseren Füßen spüren. Der Ausblick auf die Vulkanlandschaft war atemberaubend, so etwas hatte ich noch nie gesehen.

Wir bekamen noch eine kurze Einschulung zum Vulcano Boarding selbst und dann ging es auch schon los. Ich wäre nicht ich, wenn ich mich nicht freiwillig gemeldet hätte, die Erste zu sein, die sich den steinigen Hang hinunter stürzten wollte. Eigentlich war mein Ziel nur heil hinunter zu kommen, aber wahrscheinlich wurde mein unterbewusster Sportsgeist aktiviert, als es hieß, dem Tagesschnellsten würden tolle Preise winken. Tagesschnellste mit 62 km/h wurde ich, allerdings verlor ich am Ende der Strecke die Kontrolle über mein Board und überschlug mich. Der Sieg war meiner, aber meine linke Hüfte ordentlich geprellt 😉

Traveldiary_NicaraguaTraveldiary_NicaraguaAufstieg auf den Cerro Negro

Traveldiary_NicaraguaKathedrale von León  Traveldiary_NicaraguaVukanstrand von Las PeñitasTraveldiary_Nicaragua20 Minuten entfernt von León an der Pazifikküste liegt das kleine Fischerdorf Las Peñitas mit seinem schwarzen Vulkanstrand. Während die Surfer um die besten Wellen kämpften, relaxten wir einen Nachmittag lang am Beach und tauchten unsere Zehen erstmals nach mehreren Tagen in den Ozean.

Granada

Von León starteten wir nach zwei Tagen weiter Richtung Süden, vorbei an Managua nach Granada. Nach 3 Stunden Fahrt mit einem sogenannten Colectivo, das sind klimatisierte Minibusse, erreichten wir das Hostel Oasis in Granada. Die drittgrößte Stadt Nicaraguas ist für ihre Bauten im Kolonialstil bekannt und dort hatten wir erstmals das Gefühl, das echte Nicaragua, abseits des Tourismus zu erleben. Auch wenn Granada auf der Liste der meisten Backpacker steht und man viele von ihnen antrifft, hatten wir dort die Möglichkeit zu sehen, wie die Einheimischen leben und mit ihnen, soweit es unsere Spanisch-Kenntnisse zu ließen, zu kommunizieren. Das hektische Treiben auf dem Markt, die verschiedenen Gerüche und das laute Organ der Locals ist für einen Mitteleuropäer doch etwas gewöhnungsbedürftig.Traveldiary_NicaraguaTraveldiary_NicaraguaHostel Osais – Granada

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Einen Tag fuhren wir von Granada aus an die Laguna de Apoyo, einem nahegelegenen Kratersee und verbrachten dort einen entspannten Tag.

Isla de Ometepe

Mit der Fähre ging es einen Tag später von Granada aus auf die Isla de Ometepe inmitten des Nicaraguasees. Die Insel ist bekannt für ihre beiden Vulkane Conceptión und Maderas. Während unseres Aufenthaltes war der höchste Vulkan der Insel Conceptión wieder aktiv und daher nicht zu besteigen. Deshalb entschieden wir uns dazu, den Zweithöchsten und nicht aktiven Vulkan Maderas in Angriff zu nehmen. Der Wecker klingelte um 4 Uhr morgens und vor Sonnenaufgang begann unser Aufstieg durch den Regenwald. Vorbei an Kaffe-, Kakao- und Bananenbäumen sahen wir kleine Affen, Kröten und wurden von den Schreien der Brüllaffen in Atem gehalten. Beim Aufstieg durchquerten wir drei verschiedene Zonen des Regenwaldes, die Trockenzone, die feuchte Zone und die Nebelzone. Ab der feuchten Zone wurde die Wanderung richtig beschwerlich, denn wir mussten durch Schlamm waten, weshalb unsere Schuhe und Füße ab diesem Zeitpunkt völlig durchnässt waren. Die Gipfel der beiden Vulkane sind meistens von Nebelschwaden umgeben, so auch an diesem Tag, weshalb wir am höchsten Punkt eine Sicht von gut 10 Metern hatten. Allerdings gibt es am Vulkan Maderas einen kleinen Kratersee, der mystisch im Nebel verhüllt, etwas unterhalb des Gipfels liegt. Bei nur mehr 12 Grad wagte ich mich in den Schlammsee, doch als meine Füße nach wenigen Sekunden fast bis zu den Knien im Schlamm feststecken, war ich sofort wieder draußen 😉 Nach insgesamt 9 Stunden erreichten wir völlig ausgelaugt und voller Schlamm wieder unser Hostel.

Traveldiary_NicaraguaBlick aus unserem Hostel direkt auf den Nicaraguasee Traveldiary_NicaraguaTraveldiary_NicaraguaTraveldiary_NicaraguaTraveldiary_NicaraguaAufstieg auf den Vulkan Maderas durch den Regenwald Traveldiary_NicaraguaTraveldiary_NicaraguaTraveldiary_NicaraguaTraveldiary_NicaraguaBlick auf den Vulkan Conceptión Traveldiary_Nicaragua

San Juan del Sur

Nach einer Woche ging es Samstag schon an unsere letzte Station in Nicaragua und zwar nach San Juan del Sur. Bekannt ist der kleine Ort für seine unzähligen Surfspots in der unmittelbaren Nähe und das berühmt berüchtigte Sunday-Funday, ein Pool-Crawl, der von mehreren Hostels im Ort organisiert wird. In diesem kleinen Ort im Süden von Nicaragua fühlten wir uns auf Anhieb wohl und hatten erstmals Zeit ein wenig zu entspannen. Wir lebten in den Tag hinein und genossen die relaxte Atmosphäre des kleinen Dörfchens. Die Jesus-Statue auf einer kleinen Anhöhe versprühte ein wenig Rio-Feeling und die Sonnenuntergänge raubten uns Abend für Abend den Atem.

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Wenn ich heute so an Nicaragua zurückdenke, erinnere ich mich an die unglaublich vielseitige Natur, die das Land zu bieten hat. Von den Stränden des Pazifischen Ozeans, über die verschiedenen Seen und Lagunen der Vulkane bis hin zu den Vulkanen selbst und die Regenwälder ist Nicaragua eines der vielseitigsten Reiseziele, die ich bisher kennen gelernt habe. Rückblickend bleibt allerdings auch die Armut der lokalen Bevölkerung stark im Gedächtnis verankert. Gerade im Landesinneren leben die Menschen sehr zurückgeblieben auf kleinen Farmen als Selbstversorger. Der Tourismus bringt langsam etwas Aufschwung ins Land, doch nur wenige können von diesem Kuchen naschen.

Von San Juan del Sur aus ging unsere Reise weiter über die Grenze nach Costa Rica.

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